Funktion im Goldsystem

Funktion im Goldsystem

Ausarbeitung von Torsten Marx / Mai 2026

Hinweis:
Die Lithologien werden hier nicht als punktgenaue Geländeansprache verstanden, sondern als regionalgeologischer Rahmen zur funktionalen Bewertung eines Goldsystems.
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Farblegende und Funktion im Goldsystem

Die Funktion der einzelnen Gesteine innerhalb eines Goldsystems ist wichtiger als der reine Gesteinsname. 
Ein Goldsystem entsteht nicht dadurch, dass ein einzelnes Gestein "Gold macht“, sondern dadurch, dass unterschiedliche lithologische Einheiten verschiedene Aufgaben im geologischen Raum übernehmen. Manche Gesteine leiten Fluide, andere stauen sie. Manche reagieren chemisch, andere brechen spröde auf und schaffen offene Räume. Wieder andere zeigen bereits eine chemische Umwandlung durch Fluidprozesse. 
Genau dieses Zusammenspiel macht ein lithologisches Kontaktfeld für die Goldsuche bedeutend.

Marmor - übernimmt in einem solchen System vor allem die Funktion einer reaktiven Karbonatfalle. 
Er ist nicht automatisch die Goldquelle, aber er kann an Kontaktzonen eine entscheidende chemische Rolle spielen. 
Wenn metallführende Fluide auf Karbonatgestein treffen, verändern sich pH-Wert, Kohlendioxid-Gleichgewicht, Schwefelaktivität und Redoxbedingungen. Dadurch können Sulfide, Eisenoxide, Manganoxide, Quarz und unter günstigen Bedingungen auch Gold abgeschieden oder angereichert werden. 
Besonders interessant ist deshalb nicht der homogene, saubere Marmor, sondern der Marmor an seinen Grenzen zu Phyllit, Glimmerschiefer, Orthogneis, Serpentinit oder metasomatisch verändertem Gestein. Dort entsteht der Reaktionssaum.

Glimmerschiefer - hat die Funktion eines schiefrigen Fluidleiters und deformierbaren Wirtsgesteins. 
Seine Schieferung ist eine natürliche Schwächezone, entlang der Fluide wandern können. 
Gleichzeitig kann er durch Verformung Scherzonen, Linsen, Druckschatten und Quarzlagen bilden. 
In einem Goldsystem ist Glimmerschiefer deshalb häufig nicht der harte Erzgang selbst, sondern der strukturelle Raum, in dem Fluide geführt, gebündelt und an bestimmten Stellen wieder abgeschieden werden. 
Rostige Schieferungsflächen, Quarzlagen, kleine Sulfidreste oder dunkle Fe-Mg-reiche Partien sind in diesem Zusammenhang wichtige Hinweise.

Orthogneis - wirkt stärker als spröder Kluft- und Gangträger. Er ist kompetenter und bricht eher, während schiefrige Gesteine gleiten oder sich lagenweise verformen. 
Genau diese spröde Eigenschaft ist für Goldsysteme wichtig, weil offene Klüfte, Risse und kleine Dehnungsräume entstehen können. 
In solchen Räumen können Quarz, Sulfide und goldführende Mineralisationen ausfallen. Orthogneis ist daher weniger als chemische Falle wichtig, sondern vor allem als mechanischer Raumöffner. 
Besonders stark wird seine Rolle an Kontakten zu Phyllit oder Glimmerschiefer, weil dort spröde und duktile Verformung direkt zusammentreffen.

Serpentinit - bringt eine ultramafische Funktion in das System. Er steht für ein Fe-Mg-Cr-Ni-Co-reiches chemisches Milieu und kann Fluide stark verändern. 
Besonders wichtig ist seine Redoxwirkung. 
Serpentinit kann reduzierend wirken, Magnetit bilden, karbonatisieren oder talkig-chloritische Alterationszonen entwickeln. Dadurch wird das Fluid chemisch beeinflusst. 
Serpentinit ist nicht automatisch ein Goldbeweis. Aber Serpentinitkontakte sind geologisch hochinteressant, weil dort ein starker chemischer Kontrast entsteht. 
Wenn solche Kontakte zusätzlich von Scherzonen, Quarzadern, Rostsäumen oder alten Abbauspuren begleitet werden, steigt die Bedeutung deutlich.

Metasomatisches Gestein - ist in dieser Auswertung besonders wichtig, weil es bereits auf chemische Umwandlung durch Fluide hinweist. 
Das ist für ein Goldsystem stärker als eine neutrale Lithologieangabe. 
Metasomatose bedeutet, dass ein Gestein durch Stoffzufuhr oder Stoffabfuhr chemisch verändert wurde. Solche Veränderungen entstehen häufig dort, wo Fluide durch Gesteine wandern und neue Mineralreaktionen auslösen. 
Im Goldsystem kann ein metasomatischer Körper deshalb als Alterationszone, Reaktionsraum und Hinweis auf frühere Fluidbewegung verstanden werden. 
Genau hier muss man vorsichtig, aber klar formulieren, metasomaticRock beweist kein Gold, aber es passt sehr gut zu einem fluidgeprägten System.

Phyllit - ergänzt das System als feinschiefriger Fluidleiter, Stauer und Deckel. 
Er ist feinkörniger und niedriger metamorph als Glimmerschiefer, besitzt aber eine ausgeprägte Schieferung. Entlang dieser Schieferung können Fluide wandern, quer dazu kann der Phyllit vergleichsweise dichter wirken. Dadurch kann er Fluide lenken, stauen und Druck aufbauen. 
Solche Druck- und Wegsamkeitswechsel sind für Goldsysteme wichtig. 
Phyllit kann also gleichzeitig Leitung und Barriere sein. 
Besonders spannend wird er dort, wo er an Marmor, Orthogneis, Serpentinit oder metasomatisch verändertes Gestein grenzt.

Fazit:
Die eigentliche Stärke des Systems liegt nicht in einem einzelnen dieser Gesteine, sondern in ihrer Kombination. Marmor reagiert chemisch. Glimmerschiefer leitet entlang der Schieferung. Orthogneis bricht spröde auf und schafft Gangräume. Serpentinit verändert das Redoxmilieu. Metasomatisches Gestein zeigt bereits fluidbedingte Umwandlung. Phyllit lenkt, staut und deckelt Fluide. Dort, wo diese Funktionen räumlich zusammentreffen, entstehen bevorzugt Reaktionsräume, Scherzonen, Quarz-Sulfid-Kontakte und mineralisierte Übergänge.
Deshalb ist ein Goldsystem kein einzelner Stein und auch kein einzelner Bachabschnitt. 
Es ist ein funktionales geologisches Gefüge aus Fluidwegen, Druckwechseln, Reaktionssäumen, Kompetenzkontrasten, chemischen Fallen und Alterationszonen. 

Genau dort wird aus Geologie Prospektion. 

Entscheidend ist nicht die Frage, ob ein bestimmter Gesteinsname allein Gold beweist. Entscheidend ist, welche Aufgabe dieses Gestein im System übernimmt.


disseminierte Erzpunkte mit Au79 /
Sulfidreste / Fe-Mn-Oxidation / heller Mobilisatfüllung (Quarzgang)





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